Der gute Trainingspartner

Dr. Dieter Zittlau

Die bitter nötige Hilfestellung für den fortgeschrittenen Athleten


Ein guter Trainingspartner spürt, wenn ich Hilfe brauche, und er hält sich heraus, wenn ich sie nicht brauche. Ein guter Trainingspartner weiß also auch ungefähr, was bzw. wie viel ich schaffe, und er weiß vor allem, wie ich aussehe, wenn ich es wirklich nicht mehr schaffe. Und ein guter Trainingspartner kann im Notfall mit dem Gewicht, mit dem ich trainiere auch umgehen. Was hilft es mir, wenn ich im Fall des Falles nicht nur das Gewicht sondern meine Hilfestellung auch noch auf der Brust liegen habe?


Partnertraining am Beispiel des Brusttrainings

Eine der herausragenden Übungen für die Brust ist das Bankdrücken. Wer jedoch hier wirklich weiterkommen will, kommt in der Regel um eine gute Hilfestellung und Absicherung nicht herum. Der Anfänger braucht sie, weil er die Übung noch nicht perfekt beherrscht und sowohl Hilfestellung als auch Korrektur benötigt. Da man beim Bankdrücken jedoch zumeist wichtigeres zu tun hat als seinen Bewegungsablauf zu seine Atmung zu kontrollieren, ist dies die Aufgabe des Trainingspartners. Er muss darauf achten, ob die Griffweite stimmt, ob die Hantel wirklich gerade nach unten und oben geführt wird. Anfänger haben auf der Bank oft noch nicht einmal eine klare Vorstellung wo "oben" ist. Wir haben schon Athleten erlebt, die in den ersten Wochen und sogar Monaten, die Hantel nicht wirklich nach oben, sondern vielmehr leicht nach vorne, in Richtung auf die Beine gedrückt haben. Nun beschreibt die Hantel beim richtigen Bankdrücken in der Tat keine Gerade sondern eine leichte Kurve, wenn jedoch der Punkt, an dem die Hantel fixiert wird, zu weit vorne liegt, dann kann man das vorgesehene Gewicht noch nicht einmal halten, geschweige denn drücken. Stimmt die Atmung? Bei Anfängern stimmt sie fast nie. Der Trainingspartner hört dies, kann somit korrigierend eingreifen. Fortgeschrittene machen eine leichte Pressatmung, viele Powerlifter machen ein Hohlkreuz. Das ist nicht zur Nachahmung für Anfänger empfohlen, denn dann dauert die Karriere nicht mehr lang. Was die sieben-Liter-Lunge eines fortgeschrittenen Athleten verträgt, kann für den Anfänger leicht der Anfang vom Ende sein. Der Fortgeschrittene braucht den Trainingspartner noch aus einem ganz anderen Grund. Wenn man nach der eigentlich letzten Wiederholung noch eine allerletzte machen will, so braucht man dafür die Sicherung durch den Trainingspartner. Dies gilt erst recht für sogenannte "erzwungene" Wiederholungen, bei denen der Trainingspartner gerade so viel hilft, wie zur vollständigen Bewältigung des Gewichtes nötig ist. Gerade Fortgeschrittene, insbesondere wenn sie in Richtung Powerlifting, d.h. auf maximales Gewicht trainieren, leben beim Bankdrücken an der Leistungsgrenze immer ein wenig gefährlich. Was ist, wenn einmal die Schulter streikt, eine Muskelfaser reißt, der Kreislauf nicht mitspielt, eine Hantelscheibe verrutscht ...? Alleine ist man in solchen Situationen reichlich verloren.
"Ich liege auf der Bank, die Hantel wiegt drei Zentner. Üblicherweise gehen damit so und soviel Wiederholungen. Das Studio ist an diesem Tag vollkommen leer. Ich bin weit und breit der einzige im Trainingsraum. Ich nehme das Gewicht und beginne. Die ersten Wiederholungen kommen gut, ich habe ein gutes Gefühl. Eine schaff ich sicherlich noch. Ja, diese eine ging noch. Also probieren wir noch eine. Jetzt fühlt es sich schon viel schwerer an. Die Hantel hebt sich noch gut von der Brust. Aber ab der Mitte wird sie bleischwer. Was ist das? Zwei Zentimeter vor der Ablage weigern sich die Arme, sich durchzustrecken. Ich komme nicht hin. Die Hantel fällt zurück auf meinen Brustkorb. "So ein Mist", denke ich, "was mache ich jetzt?" Während ich noch nachdenke, beginnt das Gewicht mir den Brustkorb einzudrücken. Die Luft wird knapp, ein erneutes Anheben damit unmöglich. Ich muss also handeln. Schmeiße ich die Hantel jetzt zur Seite weg, spricht der Studiobesitzer kein Wort mehr mit mir und den Schaden bezahlt keine Haftpflicht. Also langsam nach unten abrollen. Erst über den Bauch, das geht noch, der ist gut trainiert. Dann aber kommen Teile des Körpers, in denen der Anteil der kontrollierbaren Muskulatur recht knapp ist."
Wer einmal so etwas mitgemacht hat, wie hier in meiner Schilderung, der wird nun endlich wissen, wofür man beim schweren Bankdrücken in der Tat einen "guten" Partner dringend nötig hat. Die Betonung liegt hier in der Tat auf "guten", denn es gibt ja auch das folgende Erlebnis:
"Ich lasse die Hantel noch einmal herab. Ich weiß, diese Wiederholung schaffe ich noch. Ich hebe sie an, in der Mitte wird sie schwer. Ich sehe wie mein Trainingspartner sich vorbeugt. "Nicht helfen!" möchte ich schreien, doch dafür habe ich momentan keine Kraft und vor allem keine Luft. Ich schaffe das Gewicht, ich spüre es. Noch einen Zentimeter hebe ich die Hantel, "gleich habe ich gewonnen!" Mein Trainingspartner greift zu, nimmt mir die Hantel regelrecht aus der Hand, wuchtet sie in die Ablage. "Gut, daß ich Dir geholfen habe", grinst er mich an. Ich könnte ihn er..."
Wissen Sie nun, was ein guter Trainingspartner ist?

Aber auch bei der Übung mit Kurzhantel gibt es Möglichkeiten für den Trainingspartner. Allerdings lässt die Größe der Hanteln ein gemeinsames Zugreifen oft nicht zu. Im Gegensatz zur Langhantel fasst man hier deshalb zumeist nicht die Gewichte an, sonder unterstützt z.B. bei der fliegenden Bewegung auf der Flachbank durch einen Griff von links und rechts unter die Ellbogen.

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