Peptide

Dr. Dieter Zittlau

Wie aus Aminosäuren Peptide und Proteine werden


Die verschiedenen Eiweißstoffe kommen dadurch zustande, dass in ihnen die Aminosäuren in jeweils unterschiedlichen Reihenfolgen verkettet sind. So entsteht z.B. durch die Verbindung zweier Aminosäuren zunächst ein sogenanntes "Dipeptid". Dieses entwickelt sich durch die Anlagerung weiterer Aminosäuren zu einer regelrechten Peptidkette. Bei einer Verkettung von bis zu einschließlich neun Aminosäuren spricht man von einem Oligopeptid, bei zehn bis einhundert Aminosäuren von einem Polypeptid und bei mehr als einhundert Aminosäuren von einem Makropeptid.

Kurzkettige Peptide finden nun auch in der Sportlerernährung Anwendung, da sie relativ schnell resorbiert werden und damit dem Muskelaufbau zur Verfügung stehen. So enthält das Endprodukt der Pankreas-Proteinverdauung 1/3 freie Aminosäuren und 2/3 Oligopeptide mit zwei bis sechs Aminosäuren (Prof. Kasper). Es ist daher naheliegend, dass die Einnahme von Aminosäuren und/oder kurzkettigen Peptiden die Proteinverwertung, d.h. den Umbau von körperfremdem (Nahrungs-) Eiweiß in körpereigenes Eiweiß erleichtert. Ob man nun aber freie (d.h. in der Regel flüssige) Aminosäuren oder zumeist in Kapselform dargebotene Peptide zu sich nimmt, scheint auf den ersten Blick weniger eine wissenschaftliche als eine Geschmacksfrage zu sein, da die Dünndarmzelle sowohl Transportsysteme für Aminosäuren als auch für Oligopeptide besitzt. Wer es sich leisten kann, mag diese besondere Fähigkeit unseres Dünndarms ausnutzen und beide miteinander kombinieren oder ein Präparat wählen, welches bereits eine Kombination aus beiden enthält. Ansonsten spricht die physikalische Beschaffenheit eher dafür, die freien flüssigen Aminosäuren für eine kurze "Aufladung" während des Trainings einzusetzen, während sich die festen und meist tablettenförmigen Oligopeptide als Nahrungsergänzung bei einer ansonsten unbilanzierten Ernährung empfehlen. Im Klartext heißt dies, daß man ein im Aminosäureprofil untaugliches Wurst- oder Marmeladenbrötchen, wenn man schon nichts anderes zur Verfügung hat, durch ein paar Peptidkapseln aufbessern kann. Die Aufwertung einer "Currywurst mit Pommes" durch Peptidkapseln ist indes fraglich, denn der hohe Fettgehalt dürfte hier die Eiweißverwertung zu Fall bringen. Peptidkapseln dienen also vorrangig der Nahrungsergänzung begleitend zur normalen Ernährung oder auch als kleine Eiweißdosis "zwischendurch". Während man zur Zubereitung eines Eiweißgetränks in der Regel einigen Aufwand treiben muss, kann man ein paar Peptidkapseln bequem in der Jackentasche mit sich führen. Eine größere Dosis Eiweiß, wie sie für einen intensiven Muskelaufbau benötigt wird, wird man allerdings immer noch mit Hilfe des klassischen Proteinpulvers anrühren. Wer indes Wert auf eine möglichst schnelle Resorption legt, wird zu den reinen und flüssigen Aminosäuren greifen und diese gegebenenfalls mit einigen Peptidkapseln ergänzen.

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