¿ Neue Muskel-Präperate auf dem Markt skeptisch betrachtet

Leistungsvitamine

Dr. Dieter Zittlau

Vitamine zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit


Man kann wohl davon ausgehen, daß jeder Figurbewusste sich hinreichend gesundheitsbewusst ernährt, um den zum Überleben notwendigen Bedarf an sämtlichen Vitaminen durch die Ernährung zu decken. Doch reicht das, was zum Leben genügt, auch aus, um die Leistung zu erbringen, die man im Beruf und im Alltag erbringen möchte? Die Vorsilbe "vita" im Wort "Vitamine" signalisiert schon die lebenswichtige Bedeutung der Vitamine. Als sogenannte essentielle Bestandteile unserer Ernährung sind sie Voraussetzung für viele lebensnotwendige Vorgänge in unserem Körper; wenn sie fehlen, nimmt unsere Gesundheit unweigerlich Schaden. Im Zuge der Fitness-Welle und einer immer bewussteren und auf Gesundheit ausgerichteten Ernährung werden deshalb zahlreiche Ergänzungspräparate angeboten, deren Werbung oftmals nur noch vor dem Versprechen des ewigen Lebens zurückschreckt. So steht der Verbraucher z.B. in den USA mehr oder weniger ratlos vor den Regalen der dortigen Kaufhäuser, wo auf einer Länge von etwa zehn Metern hunderte und aberhunderte von Vitaminpräparaten und anderen "Fitmachern" angeboten werden, die in speziellen Kombinationen Stress oder Schlaflosigkeit, Mattigkeit und Müdigkeit, männliche oder weibliche Beschwerden (was immer das sein soll!) zu bekämpfen versprechen. Eine Reihe von Fachleuten behauptet deshalb wohl nicht ganz ohne Grund, daß der in den USA und teilweise auch in Deutschland zu beobachtende Vitaminboom vor allem dem Umsatz der Herstellerfirmen nützt, weniger aber der Gesundheit der Verbraucher. Diese Kritik hat jedoch nur dann ihre Berechtigung, wenn man sich im Alltag gesund und vitaminreich ernährt. Wer sich vor allem mit Currywurst, Pommes-Frites, Colagetränken und ähnlich nahrhaften Dingen verpflegt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht einmal einen Bruchteil seines Vitaminbedarfs decken können. Wenn darüber hinaus die These vertreten wird, daß auch der unstrittig höhere Vitaminbedarf eines gestressten Menschen durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung gedeckt werden kann, so geht man dabei von der unseres Erachtens wirklichkeitsfernen Annahme aus, daß uns eine solche gesunde Ernährung nach Belieben zur Verfügung stünde. In den letzten Jahren hat sich jedoch lediglich der Schadstoffgehalt unserer Nahrung erhöht, der Vitamingehalt ist indessen durch ausgelaugte Böden und die chemische und physikalische Behandlung unserer Nahrungsmittel (Konservieren, Erhitzen, Lagern, ...) keineswegs mehr gesichert. Ob es nun allerdings ratsam ist, wahllos alle Vitamine in sich hineinzuschaufeln, ist mehr als zweifelhaft. So besteht z.B. bei den fettlöslichen Vitaminen A und D die Gefahr der Anreicherung und damit der Überdosierung. Die in der USA gebräuchliche Unsitte, sämtliche Milch mit Vitamin D - Zusätzen zu versehen, geht wahrscheinlich von der Annahme aus, daß nur Kinder Milch trinken. Wenn man sich dann auch noch der Sonne aussetzt, die über unsere Haut ebenfalls Vitamin D erzeugt, so kann es bei zusätzlicher Gabe schnell zu Überdosierungen kommen. Es gibt allerdings einige Vitamine, die für den aktiven Menschen von besonderem Interesse sind, da sie unmittelbar an den Vorgängen beteiligt sind, die körperliche Arbeit möglich machen. Im einzelnen sind hier zu nennen:


Vitamin B1

Bei körperlicher Anstrengung vermindert sich die Vitamin B1-Konzentration im Blut und bei B1-armer Ernährung verringert sie sich zuallererst in den Muskeln. B1 wird unter anderem in der Muskulatur gespeichert, und stärker beanspruchte Muskeln enthalten auch eine größere B1-Konzentration. Diese Hinweise auf die Bedeutsamkeit des B1 für die sportliche Leistung werden gestützt durch Versuche, in denen Sportlern größere Dosen B1 injiziert wurden, wodurch der Abbau der leistungsmindernden Milchsäure in der Muskulatur beschleunigt wurde. Für übliche sportliche Belange dürfte die orale Zufuhr in Form von Tabletten oder Vitamindrinks ausreichend sein.

Vitamin B6

Mangelerscheinungen an diesem Vitamin können sich in nervösen Störungen, verminderter Eiweiß-Synthese, Muskelschwund oder Krämpfen äußern. Da der Bedarf an B6 direkt proportional der Eiweißzufuhr ist, kann man hier von einem regelrechten "Fitness-Vitamin" sprechen. Eine ca. 65 kg schwere Fitness-Sportlerin, die 1,5 Gramm Eiweiß pro kg Körpergewicht zu sich nimmt, muss demnach mindestens 2 mg Vitamin B6 zu sich nehmen.


Vitamin B12

Die Vitamine B12 werden ausschließlich durch Mikroorganismen hergestellt. Dieses Vitamin wird vom Menschen überwiegend mit tierischen Nahrungsmitteln aufgenommen. Da B12 beim Aufbau von körpereigenen Proteinen beteiligt ist, ist eine ausreichende Versorgung für den Sportler ratsam.


Vitamin C

Die erwiesenen und vermuteten Anwendungsgebiete des Vitamin C beziehen sich zum einen auf die Deckung des Bedarfs, zum anderen, in zumeist wesentlich höherer Dosierung, auf die Anwendung in der Pharmakotherapie. Zur letzteren wird man auch die Anwendung großer Vitaminmengen mit dem Ziel der sportlichen Leistungsverbesserung zu zählen haben. Im allgemeinen werden folgende Anwendungsgebiete angegeben: Heilung von Skorbut, Beschleunigung der Wundheilung, Bildung des Zahnschmelzes und positive Wirkung bei Zahnfleischerkrankungen, Vorbeugung von Infektionskrankheiten, Hemmung krebserzeugender Stoffe (z.B. der Nitrosamine), Beteiligung an der Herstellung der Steroidhormone in der Nebennierenrinde. Da Vitamin C ein wasserlösliches Vitamin ist, ist eine eventuelle Überdosierung zumindest nicht so problematisch wie z.B. bei Vitamin D. Ein Überangebot wird weitgehend über den Harn ausgeschieden, sofern man nicht regelrechte Vitamin C-Orgien feiert. Im allgemeinen scheint zur Deckung des Bedarfs eine Dosierung von 1 bis 1,5mg pro kg Körpergewicht ausreichend zu sein. Ein 80kg schwerer Mann dürfte also mit 100mg Vitamin C auskommen. Bei Leistungssportlern werden jedoch bis zu 500mg empfohlen, die über einen begrenzten Zeitraum im allgemeinen auch nebenwirkungsfrei vertragen werden.


Vitamin E

Das Vitamin E ist ein fettlösliches Vitamin, dem eine ausgeprägte Antioxidanzwirkung zugeschrieben wird. So werden die Zellen unseres Körpers bis hin zur DNA von aggressiven Sauerstoffverbindungen bedroht. Das Vitamin E spielt hier nun die Rolle eines "Abfängers". Es ist ferner beteiligt am Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Eiweißkörpern und Nukleinsäuren und verantwortlich für die gesunde Entwicklung unserer Muskulatur. Ein positiver Einfluss auf die Leistungsfähigkeit im Sport ist darum sehr wahrscheinlich.

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