Kreatin

Dr. Dieter Zittlau

Überlade deine Muskelzellen


Mehr Kraft und mehr Masse, das ist der Wunsch der meisten Bodybuilder und Kraftsportler. Um diesen Wunsch möglichst schnell zu realisieren, entschließen sich viele schon recht frühzeitig zur Einnahme von anabolen Steroiden, obwohl deren Nebenwirkungen in der Dosierung, die auch eine Wirkung wahrscheinlich macht, zumindest langfristig kaum kontrolliert werden können. Dabei ist es schon seit langem bekannt, daß auch andere Substanzen, wie bestimmte Vitamine oder Aminosäuren und auch das in diesem Artikel im Vordergrund stehende Kreatin (bzw. in amerikanisierter Schreibweise "Creatin"), eine anabole, d.h. aufbauende Wirkung haben.

Ich bitte den Leser nicht zu erschrecken, wenn ich zu Beginn ein paar Fremdwörter einführen muss, aber ohne diese kann kaum deutlich gemacht werden, was für eine wichtige Substanz Kreatin ist. Kreatin ist kein Ergebnis neuester Forschung. Es kommt im Organismus in einer Menge von 110 bis 130 Gramm vor. Zunächst wird in Leber und Niere aus Arginin und Gykokoll Guanidinessigsäure gebildet. Diese wird sodann mit Hilfe der Aminosäure Methionin zu Methylguanidinoessigsäure, besser bekannt unter kurzen Bezeichnung Kreatin. Kreatin kommt in verschiedenen Körpergeweben vor, der überwiegende Teil befindet sich allerdings in der Skelettmuskulatur. Dort ist es mit Phosphorsäure zu Kreatinphosphat gekoppelt, das eine Energiereserve darstellt, um das für Muskelarbeit so wichtige ATP regenerieren zu können.

Dieses ATP (Adenosin Triphosphat ) ist eine energiereiche Phosphatverbindung, die in allen Muskelzellen vorhanden ist und die wichtigste Energiequelle für jede Art von Muskelbewegung darstellt. Egal, ob man sich nur am Kinn kratzt oder hundertfünfzig Kilogramm über sich stemmt,, immer wird dabei das in den Muskelzellen gespeicherte ATP zu ADP (Adenosin Diphosphat) abgebaut. Diese Verminderung um einen Phosphatanteil , d.h. die Abspaltung eines Phosphatrestes von dem ursprünglichen ATP, setzt chemische Energie frei, die der Körper zur Ausführung einer Muskelkontraktion verwendet.

Nun können allerdings die Muskelzellen nur eine begrenzte Menge an ATP speichern und wenn dieser aufgebraucht ist, dann ginge eigentlich nichts mehr. Bei maximalen anaeroben Trainingsbedingungen, wie z.B. einem intensiven Gewichtstraining, kann der ATP-Vorrat bereits nach zwei Sekunden verbraucht sein. Offenbar gelingt es aber unserem Körper diesen Vorrat in kürzester Zeit wieder aufzufüllen. Genau dazu dient nun das Kreatinphosphat. Dieses wird nun in Kreatin und Phosphat abgebaut und das auf diese Weise freigesetzte Phosphatmolekül wird nun zur Regenration von ATP aus ADP verwendet. Durch den Zerfall von Kreatinphosphat vermag der Athlet damit seine Maximalleistung über 6 bis 8 Sekunden zu halten, was also z.B. für einen kurzen Spurt von 50 bis 70 Metern reichen würde. Die weitere Energiefreisetzung und ATP-Bildung geschieht dann über das Milchsäuresystem. Dieses hat allerdings den bekannten Nachteil, daß es zu einer Ansammlung von Laktat und damit zu einer Übersäuerung des Muskels kommt, und dies führt schließlich zum Versagen der Muskulatur.

Es liegt nun nahe, daß man durch zusätzliche Zufuhr von Kreatin versucht, den Kraetinphosphatgehalt in der Muskelzelle zu erhöhen, um damit für eine längere Zeitspanne die schnelle Rückbildung von ATP aus ADP zu gewährleisten. Offenbar ist dies mit einer Verabreichung von Kratinmonohydrat tatsächlich möglich. Bei der Einnahme von Kreatinmonohydrat scheint nach den bisherigen Beobachtungen der Gehalt von Kreatinphosphat in der Muskelzelle zuzunehmen. Es kommt also zu einer Art "Überladung" der Muskelzellen. Sobald Kreatinmoleküle in die Muskelzelle eindringen, setzt das Enzym Creatinphosphatkinase Phosphatmoleküle frei, die sich mit dem Kreatin zu Kreatinphosphat verbinden und damit den Weg zur Neubildung von ATP ebenen.

Wenn also bei schweren Kniebeugen bisher der ATP und Kreatinphosphatvorrat nur für drei bis vier Wiederholungen ausreichte und danach bereits die Laktatbildung begann, so kann man diesen Zeitpunkt durch Überladung der Muskelzelle mit Kreatin hinauszögern. Wenn nun fünf oder sechs Wiederholungen ohne das Milchsäuresystem möglich sind, so wirkt sich das recht schnell auf die Trainingsleistung und letztlich natürlich auch auf den Trainingsfortschritt aus.

Dazu ist allerdings eine relativ regelmäßige Kreatineinnahme nötig, da sich ansonsten die Kreatinwerte schnell wieder normalisieren. Die Erhaltungsdosis ist jedoch geringer als die Einstiegsdosis. Zum Aufladen der Muskelzellen verwendet man zu Beginn also für etwa 4 Tage eine relativ hohe Dosis (bis zu 30 Gramm), die anschließende Erhaltungsdosis liegt jedoch nur bei einem Drittel bis der Hälfte dieses Wertes, aufgeteilt auf Einzelgaben von jeweils ca. 5 Gramm zu den Mahlzeiten. Solche Mengen sind natürlich prinzipiell auch mit natürlicher Nahrung zu erreichen, dies kann jedoch, ähnlich wie bei Proteinen und Aminosäuren recht beschwerlich werden. So enthält 1kg Steakfleisch ungefähr 5 Gramm Kreatin, auf diesem Wege wird man also kaum zu der gewünschten Überladung der Muskelzellen kommen, sondern bestenfalls zu einer Überlastung des Verdauungstraktes. Seit geraumer Zeit ist Kreatinmonohydrat jedoch von der Apothekenpflicht befreit und frei verkäuflich, so dass nun jeder sein Experiment damit machen kann. Es sei jedoch, wie auch bei Aminosäuren und anderen Präparaten, daran erinnert, dass es nicht genügt, seine Muskelzellen mit Kreatinphosphat zu überladen und sich dann in den Fernsehsessel zu setzen. Gerade bei Kreatin muss die angebotene Leistung auch in Anspruch genommen werden, d.h. man kommt um ein intensives Training nicht herum.

Neuheiten auf dem Markt: Mit den Kre-Alkalyn Produkten ergibt sich eine Neuerung. Das Creatin wird nicht mehr in Creatinin umgewnadelt. Das bedeutet: Kre-Alkalyn Produkte können wesentlich geringer dosiert werden, da kaum Wirkungsverluste auftreten.

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