Die Bedeutung der Kohlenhydrate

Dr. Dieter Zittlau

Welchen Nutzen haben Kohlenhydrate für den Sportler?


Man könnte nun zunächst annehmen, daß man die Energie für eine intensive sportliche Betätigung am besten durch eine platzsparende und zumeist auch noch schmackhafte, fette Mahlzeit gewinnt. Die Erfahrung zeigt jedoch, daß die sportliche Leistung bei einseitiger, sehr fetter Kost deutlich abnehmen kann. Nun ist die Verwertung der Fette bei dauerhafter Muskelarbeit trotz ihres hohen Kaloriengehaltes relativ ungünstig, wenngleich man auf diesen Energieträger bei großer Dauer (Langstreckenlauf) nicht verzichten kann. Kraftsportler mit relativ kurzen Phasen der Anstrengung aber muss dies nicht weiter kümmern. Vielmehr muss man (auch) im Kraftsport berücksichtigen, daß die Muskelermüdung bei starkem Training u.a. durch Milchsäure verursacht wird, die beim Kohlenhydratabbau im Muskel entsteht. Diese müsste bei ausreichender Sauerstoffzufuhr zu Kohlendioxid und Wasser oxydiert werden. Bei großen Anstrengungen jedoch reicht die Sauerstoffversorgung nicht aus und es kommt zu einer Überladung der Muskelzellen mit Abfallstoffen. Ob hierdurch nun auch der berühmte "Muskelkater" entsteht, darüber gibt es ungefähr so viele Lehrmeinungen wie es Lehrbücher gibt, fest steht aber, daß hierunter die Leistungsfähigkeit des Muskels leidet. Die Leber ist nun sogar in der Lage, die anfallende Milchsäure wieder in den Betriebsstoff der Muskeln, nämlich in Glukose, bzw. Glykogen zurückzuverwandeln. Ferner dient die Leber als Speicher von Kohlenhydraten in Form von Glykogen. Eben diese Leber aber wird durch große Fettmengen erheblich irritiert und in ihrer Funktion beeinträchtigt. Somit steht der Muskulatur bei steigendem Milchsäuregehalt weniger verwertbares Glykogen zur Verfügung.

Damit scheiden also sehr fettreiche Mahlzeiten für den Sportler aus. Da das wertvolle Eiweiß vorwiegend als Baustoff verwendet werden soll, kommt als Energielieferant somit nur noch eine kohlenhydratreiche Kost in Frage. So ist z.B. in der Struktur- und Summenformel der Kohlenhydrate [Cm(H2O)n] bereits Sauerstoff enthalten, der für die Oxidation zur Verfügung steht. Es muss also weniger Sauerstoff von außen zugeführt werden, als für die Verbrennung von Eiweiß oder Fett. Damit bilden die Kohlenhydrate die am besten verwertbare und verbrennbare Energiequelle in der Muskulatur. Der Vorrat an unmittelbar verwertbarer Glukose im Blut reicht allerdings nicht lange, bei sehr starker Anstrengung ist er nach etwa 2 Minuten aufgebraucht. Unser Organismus hat jedoch gleichsam "vorgesorgt", indem er in der Leber und in der Muskulatur selbst Depots geschaffen hat, in denen er Kohlenhydrate in Form von Glykogen speichert. Diese Depots werden nun durch die Ernährung entscheidend beeinflusst. So wird der Glykogenspiegel im Muskel durch eine kohlenhydratreiche Kost erhöht und damit automatisch das Durchhaltevermögen der Muskulatur verbessert. In der Aufbau- und Trainingsphase kommt es also darauf an, durch erhöhte Kohlenhydratzufuhr den Glykogenspiegel möglichst hoch zu halten und auch nach dem Training oder Wettkampf möglichst rasch wieder zu füllen. Dies erreicht man durch leichtverdauliche, kohlenhydratreiche Kost oder aber durch entsprechende Präparate, die wegen ihrer Konzentration und ausgewogenen Zusammensetzung die Verdauung möglichst wenig belasten. So bestehen diese Präparate in der Regel aus Mehrfachzuckern (Oligosacchariden), die dem Organismus über eine längere Zeit Energie zur Verfügung stellen als die schnell verfügbaren Mono- und Disaccharide aus Süßigkeiten wie Honig, Limonaden und Malzbier. Ebenfalls von Bedeutung für die langfristige Energieversorgung des Sportlers sind Polysaccharide, wie sie in Kartoffeln, Getreideflocken, Müslis, Brot, Nudeln oder Bananen vorkommen.

Des weiteren kann man auf sogenannte Weight Gainer zurückgreifen, die vermehrt in Fitness Shops angeboten werden.

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