Anabole Substanzen

Dr. Dieter Zittlau

Neue Wege zur Höchstleistung


Was sind anabole Substanzen?

Anabole Substanzen sind alle Stoffe, die den Stoffwechsel des Menschen (seinen "Metabolismus") in Richtung Aufbau ("Anabolismus"), insbesondere in Richtung Eiweißaufbau, beeinflussen oder aber zumindest dafür sorgen, daß der Abbau ("Katabolismus") vermindert oder gehemmt wird.


Zu den anabolen Substanzen zählen

1. anabole Steroide, dies sind sogenannte Steroidhormone, die den Eiweißansatz und das Wachstum fördern. Dabei ist noch einmal zu unterscheiden zwischen endogenen Steroidhormonen, die in unserem Körper produziert werden und damit ein natürlicher Bestandteil unserer Körperchemie sind, und solchen, die synthetisch hergestellt werden und eine mehr oder weniger gezielte Abwandlung der körpereigenen Hormone darstellen. Die körpereigenen anabolen Hormone sind in der Regel männliche Sexualhormone, sogenannte Androgene. Das bekannteste körpereigene Steroidhormon ist das Testosteron, das in den Leydig-Zellen des männlichen Hodens entsteht. Kleinere Mengen von Androgenen werden auch im weiblichen Ovar und in den Nebennierenrinden produziert. Die Androgene beeinflussen nicht nur die körperliche sondern auch die psychische Entwicklung des Mannes, insbesondere sein Sexual- und auch sein Aggressionsverhalten.

Da alle von außen verabreichten anabolen Hormone, gleich ob natürlicher oder synthetischer Herkunft, zu erheblichen Nebenwirkungen, d.h. Beeinträchtigungen sowohl der körperlichen als auch der psychischen Gesundheit führen können, kann vor einer Verwendung dieser Stoffe zu sportlichen Zwecken nur gewarnt werden.

2. Das "Wachstumshormon" STH, (andere Bezeichnungen sind: somatotropes Hormon, Somatotropin, HGH, human growth hormone). Das STH wird im Hypophysen-Vorderlappen gebildet. Die Hypophyse ist sozusagen die oberste aller im Inneren des Körpers wirkenden Drüsen und steuert somit die Tätigkeit aller anderen inneren Drüsen und damit einen beträchtlichen Teil unserer Lebensfunktionen. Das von ihr produzierte STH steuert das Längenwachstum, die Proteinsynthese und viele weitere wichtige Vorgänge im Körper. Beim Menschen wurde bis vor kurzem nur das aus menschlichen Hypohysen gewonnene STH eingesetzt, womit seine Anwendung schon aus ethischen Gründen auf wenige ernsthafte Erkrankungen wie etwa den hormonell bedingten Zwergenwuchs beschränkt blieb. Seit es auch auf gentechnischem Wege gewonnen werden kann, spukt diese Substanz auch in den ehrgeizigen Doping-Träumen mancher Sportler. Der Vertrieb von STH wird jedoch wesentlich schärfer überwacht als z.B. bei den anabolen Steroiden. Zudem scheinen seine anabolen Wirkungen von vielen dopenden Sportlern überschätzt zu werden. Es regt allerdings die Proteinsynthese an und hat eine lipolytische Wirkung (Anstieg der freien Fettsäuren im Serum) und kann so zumindest in Verbindung mit Training zu einer Reduktion des Körperfettanteils und zu einer (zumindest relativen) Vergrößerung der aktiven Masse führen. Seine körpereigene Produktion und Ausschüttung wird gefördert durch ein Sinken des Blutzuckerspiegels (Hunger), Streß, intensives Krafttraining, Tiefschlaf und möglicherweise durch die Einnahme bestimmter Aminosäuren.

3. Das Insulin, welches in den sogenannten Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Es handelt sich hier um ein blutzuckersenkendes und Glykogen aufbauendes Hormon, das bei gesunden Menschen den normalen Blutzuckerspiegel garantiert. Bei Zuckerkranken ist die Produktion von Insulin gestört. Da es als Eiweißkörper von unserer Verdauung zerstört würde, muß es in diesem Fall auf dem Wege der Injektion zugeführt werden.

4. Anabol wirkende Kombinationen von Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren. Außer anabolen Hormonen scheint es weitere Stoffe zu geben, die wenn sie schon nicht einen eigenständigen anabolen Effekt haben, so doch zumindest eine anabole Stoffwechsellage begünstigen, wie sie bei intensiv trainierenden Sportlern, insbesondere natürlich Kraftsportlern, in der Regel gegeben ist. Man setzt hierbei häufig auf Kombinationen von Vitaminen und Mineralstoffen, die in Verbindung mit einer proteinreichen Ernährung die Regeneration und den Aufbau des Muskelgewebes gewährleisten und beschleunigen. Russische Forscher empfehlen z.B. eine Kombination aus Vitamin E und den Vitaminen B1, B2, B6, B12 und B15, bulgarische Forscher betonen die Rolle von Natrium, Kalium, Chlor und Phosphor, deutsche Forscher testeten eine Mischung aus Vitamin E, Magnesium, Kalium und Kieselsäure.

Abschließend kann somit abermals festgestellt werden, daß man, um leistungsfähig, stark und muskulös zu werden, nicht auf die Wahl von anabolen Steroiden beschränkt ist, mit deren Einnahme erhebliche Risiken für die leibliche und seelische Gesundheit verbunden sind.

Zurück