Einmal gedopt - Lebenslanges Risiko fürs Herz?

Dr. Dieter Zittlau

Kein Herz für Anabolika, sondern Anabolika auf dem Herzen


Dass Anabolika zu Hodenathropie (Hodenschwund), Gynäkomastie (Vergrößerung der Brustwarzen bei Männern), psychischen Schäden bis hin zu psychotischen Ausfällen und, bei Frauen, zu Virilisierung (Vermännlichung) führen können, ist hinlänglich bekannt. Insbesondere bei Präparaten mit zweifelhafter ausländischer Herkunft (siehe auch den letzten Abschnitt dieses Artikels) sind ohne weiteres ein Bündel weiterer Nebenwirkungen denkbar. Offenbar ist man jedoch erst in neuerer Zeit auf eine im Grunde naheliegenden Effekt von Anabolika-Einnahmen gekommen. So werden anabole Steroide ja eingenommen, um die Hypertrophie der Muskulatur, also das Muskelwachstum, anzuregen. Was Wunder, wenn dann auch Muskeln wachsen, an die man in diesem Zusammenhang gar nicht gedacht hat, nämlich die Muskulatur unseres Herzens? Finnische Forscher haben vor etwa vier Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass Kraftsportler, die ihrem Erfolg mit anabolen Steroiden nachhelfen, ein erhebliches Risiko für Herzerkrankungen eingehen. Die Wissenschaftler vom University Central Hospital in Helsinki empfehlen deshalb allen Ä"rzten, die Kraftsportler betreuen, an eine eventuelle Anabolika-Einnahme und damit an einen gründlichen Check-up des Herzens zu denken. Sie berichten von vier Kraftsportlern, die wegen Kammerflimmern und Zeichen von Herzschwäche in die Klinik kamen und die alle vier Anabolika eingenommen haben oder noch nehmen. Bei allen vieren zeigte sich eine kardiale Hypertrophie, also eine krankhafte Vergrößerung der Herzmuskeln. Bekannter ist den meisten Bodybuildern wahrscheinlich die etwas über vier Jahre zurückliegende Operation von Arnold Schwarzenegger wegen eines Herzklappenfehlers. Seitdem kursieren Gerüchte, er habe auch wegen früheren Anabolika-Gebrauchs Herzrhythmusstörungen. Kurz danach erklärte die frühere DDR-Schwimmerin Rica Reinisch im "Focus", sie leide an einer Herzmuskelentzündung und weiteren Herzschwierigkeiten, die sie auf den Missbrauch von Anabolika mit 14 Jahren zurückführte. Natürlich lassen sich solche Zusammenhänge im Nachhinein kaum beweisen. So hält Prof. Josef Keul von der Universität Freiburg etwaige Herzrhythmusstörungen als Folge der in der Ex-DDR üblichen Anabolika-Dosen von ca. 20 Milligramm täglich für eher unwahrscheinlich. Bei größeren Dosierungen, und diese dürften im Kraftsport nicht selten sein, könne er als Spätfolge Arrhytmien nicht ausschließen, da anabole Steroide teilweise zu einem drastischen Abfall der guten HDL-Werte im Blut führen. Dr. Hans Geyer an der Deutschen Sporthochschule in Köln berichtet in der Ä"rzte Zeitung vom 25.04.1997 von Tierversuchen, in denen es schon bei geringen Dosen von Anabolika unter Belastung zu einer Herzmuskelhypertrophie gekommen ist. Dieses Wachstum des Herzmuskels geht jedoch unter Anabolikaeinfluss ohne eine entsprechende Ausbildung der Durchblutung vonstatten. Der Herzmuskel wächst also, er wird aber nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Der Kardiologe Prof. Richard Rost an der Kölner Sporthochschule geht allerdings eher davon aus, dass unter Anabolikaeinfluss Belastungen durchgehalten werden, die man ohne Doping lange vorher abbrechen würde. Durch diese Überlastung könne es zu einer Infektion kommen die unter Umständen chronisch werden kann. Wie man es auch wendet, das Risiko, dass das Herz unter Anabolika-Einfluss dauerhaften Schaden nimmt, ist somit nicht unbeträchtlich.

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